Hanauer Theater-Legende Erland Schneck-Holze über MacBest (unbearbeitet):

MACHTKAMPF AUF DER SCHEIBENWELT

"Dramateure" begeistern mit der "Macbest"-Parodie des SF-Kultautors Pratchett

Pratchett ist tot - es lebe Pratchett ! Mit Sicherheit war der kürzlich verstorbene britische Kultautor neben den im Manuskript ohnehin vorgesehenen Gespenstern auch selbst auf der Bühne zugegen - als guter Geist - bei dieser sehr inspirierten Inszenierung der Hanauer "Dramateure". Der skurrile Kultautor ist seit Jahren der Hausdichter der profilierten studentischen Theatergruppe, die sich natürlich sein Lieblingstier, die Schildkröte, als Wappentier auserkoren hat. Aus "seiner" Scheibenwelt schaute Sir Therry bestimmt zu, wie sich das junge Hanauer Ensemble mit dieser Produktion seinen Ritterschlag abholte - allen voran der unermüdliche Intendant Jonas Milke, nicht nur als Adaptor der szenischen Romanbearbeitung (durch Stephan Briggs) sondern gleichermaßen als Regisseur und Schauspieler. In seinen Werken wirbelt der Autor ja bekanntermaßen alle möglichen und unmöglichen Ebenen wild durch einander, so dass nie ganz deutlich wird, ob es sich um tiefgründige Philosophie, absurde Gedankenspiele oder zum Teil britisch unterkühlten Wortwitz handelt; das Ergebnis freilich ist für den Leser - oder hier Zuschauer - immer äußerst frappierend. Denn die so entstehende künstlerische Realität ist nichts weniger als das Vexierbild der unsrigen.

In seinem "Macbest" parodiert Pratchett nicht nur das ungleiche mörderische Königspaar aus Shakespeares blutiger Tragödie "Macbeth", sondern auch die um die "Scheibenwelt" besorgten menschlich-sympathischen Hexen (alle genannten Rollen glänzend besetzt). Er spielt auf der Klaviatur der eludierenden Theatertheorie, mit Motiven aus "Hamlet" (Schauspielergruppe) und dem "Sommernachtstraum" (sehr poetische Natur-Tableaus !). Und dass eine laszive Hexe sich in den Narren verliebt, hat sogar etwas von "Romeo und Julia". Machiavellistische Machttheorie und schizophrene Verdrängung steht neben verdrehten Märchenansätzen - die Welt als verrückte Projektion eines hilflosen mit Hippe und Stundenglas auftretenden Todes...? Ebenfalls sind Pratchetts in seinen Büchern gefürchtete Anmerkungen "personifiziert" . Und am Ende des sich selbst raffiniert aufhebenden Reigens gibt es sogar mehrere Optionen für ein (dann doch?) versöhnliches Finale ...

Mit atemberaubendem, den Zuschauern den Kopf verdrehendem Tempo vermochten die jungen Schauspieler die Vorlage kongenial zu realisieren - in allen Figuren mit großer Präsenz und facettenreich - jede Leistung wäre wert, auch noch einmal einzeln gewürdigt zu werden, nicht zuletzt die Doppelbesetzungen. Dass "Macbest" ihr ureigenstes Stück ist, daran kam in keiner der - bisweilen sehr knappen - szenischen Sequenzen irgend ein Zweifel auf - die Dramateure" sind ein dicht eingespieltes Team, mit großer sich unmittelbar auf ihre Zuschauerschaft übertragender Spielfreude, gleichsam auf Tuchfühlung mit einander. Dies belegt vor allem auch der auffällige expressiv-gestische Stil, in dem sie alle künstlerisch agieren: präzise kalkulierte Komik, die das comoedianhaft Groteske nie selbstgefällig überzeichnet. Bemerkenswert sind - neben den "ironischen" Requisiten - vor allem auch die fantasievollen Kostüme und die ausdrucksstarken Masken. Es wäre unbedingt lohnend, die Inszenierung noch einmal wiederholt zu sehen - auf einer größeren Bühne. Auf ihrer professionellen Website macht das Ensemble darauf aufmerksam, dass man Fördermitglied werden könne. Vielleicht sogar für weitere Projekte, die gezielt von dem übrigens leibhaftig (!) auftretenden arbeitswütigen Shakespeare verfasst sind.

(Erland Schneck-Holze, 19.4.15)


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