Dramateure unterwegs

Am 4. Mai 2013 brachen 7 Dramateure auf in die Fremde. In eine Gegend, in der man sich auch an die Verkehrsbeschilderung erst gewöhnen muss... nach Oberbayern! Warum sie das taten?

Angefangen hatte alles im September 2012, kurz nach der Dramateure-Umsetzung des Terry-Pratchett-Romans "Ruhig Blut!". Da nämlich flatterte bei uns in Hanau eine Nachricht aus Weilheim (Oberbayern) ein; mit der Frage, wo wir denn unser Textbuch her hätten. Absender war die theatergruppe liber, deren Mitglieder ebenfalls darüber nachgedacht hatten, "Ruhig Blut!" zu spielen. Als erklärt war, dass wir das englische Original selbst bearbeitet hatten, wurde man sich schnell einig und Die Dramateure stellten ihr Skript zur Verfügung. Aber wenn man schon mal die Chance hat, eine Neuinterpretation der eigenen Bühnenfassung zu sehen, muss man diese natürlich auch nutzen und so wurden Anfang Mai die Koffer für ein bayerisches Wochenende gepackt. Reisende: 6 menschliche Schauspieler und ein Hund.

Der erste Unterschied zwischen den beiden Fassungen, der bereits vor Beginn der Vorstellung sofort ins Auge gesprungen ist: Die theatergruppe liber hat die Möglichkeit, in einem richtigen Theaterhaus zu spielen und konnte so z.B. durch eine Drehbühne tolle Szenenwechsel darstellen, wo sich Die Dramateure auf ihrer Bühne mit verschiedenen abgetrennten Schauplätzen beholfen hatten. Und - um beim optischen Eindruck zu bleiben - auch ihre Kostüme waren überaus gelungen (teilweise auch durchaus anders angelegt als in unserer Fassung):

Die folgenden zwei Stunden waren dann eine wunderbare Erfahrung. Man sitzt im Publikum und kennt das Stück im Prinzip in- und auswendig. Jedes Stück Dialog hat man selbst bereits genauestens analysiert und unter die Lupe genommen, überlegt, wie man es am besten darstellen kann. Man kann den Text Wort für Wort mitsprechen. Und trotzdem sieht man etwas ganz Neues, weil der einem so vertraute Stoff auf ganz neue Weise gespielt wird: Von anderen Leuten, in anderer Kulisse, unter anderer Regie. Einige Rollen wie die des jungen Priesters "Mächtig Himmelsang" waren vom Charakter her sehr verschieden angelegt als bei uns. Während "Perdita" in unserer Fassung wie ihr eigentliches Ich "Agnes Nitt" gekleidet war, hatte sich die Weilheimer Perdita optisch ganz bewusst deutlich von ihr abgehoben. Sehr eindrucksvoll war "Granny Wetterwachs" - gespielt von einem Mann, aber so gut und so passend, dass es wohl nur wenige Frauen überzeugender hätten spielen können!

Herrlich war es auch, zu sehen, mit welchen tollen Einfällen man das Stück noch spicken konnte. Dass sich die - ebenfalls wirklich toll gespielte - "Nanny Ogg" zwischendurch ständig aus ihrem kleinen persönlichen Flachmann bediente, passte auf die Rolle wie die Faust aufs Auge und war wunderbar anzuschauen. Dazu kamen natürlich zahlreiche weitere Details, von denen einige womöglich nur uns aufgefallen sind. Warum bei der Erwähnung von "Diakon Hustreim" plötzlich eine ganze Sitzreihe im Theater angefangen hat, zu lachen, konnte nur der Eingeweihte wissen...

Nach dem Stück wurden wir von den Weilheimern sogar noch zur "After-Show-Party" eingeladen, bei der wir noch bis tief in die Nacht hinein Anekdoten austauschten (und versuchen, Münchener Dialekt zu lernen. Vergeblich). Man stelle sich vor: Zwei Personen, die sich noch nie zuvor getroffen haben, kommen aufeinander zu und fangen wie auf Kommando gleichzeitig an, den Text ihrer Rolle zu rezitieren. Theater verbindet. Keine Frage. An dieser Stelle möchten wir uns - noch einmal - ganz herzlich bei unseren Gastgebern der theatergruppe liber bedanken, die uns so überaus freundlich und offen empfangen haben! Wir fanden das Wochenende wirklich grandios und halten für euch frei, wenn ihr euch einmal eine Dramateure-Produktion ansehen möchtet! Auch keine Frage!

Und wenn jetzt jemand fragt: "Na? Und welche Version war jetzt besser? Hanau oder Weilheim?" Dann sagen wir ganz entschieden: "Beide!"


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